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Motto: „Vom Wesen der Liebe“

Verein zur Förderung des Koblenzer CSD e.V.

„Eine unermeßliche Fülle von Lebensgewinn wird, der Gesamtheit zugute kommend, sich entfalten, wenn der von künstlicher Einengung erlösten Liebe ihre natürlichen Grundlagen wiedergegeben sind.“

Gedenksäule für Magnus Hirschfeld in Berlin-Charlottenburg. (Quelle: wikimedia – Peter Kuley)

Mit diesem Satz beendete Dr. Magnus Hirschfeld schon 1906 seine Publikation „Vom Wesen der Liebe: zugleich ein Beitrag zur Lösung der Frage der Bisexualität“. Anlässlich des 150. Geburtstages von Dr. Magnus Hirschfeld (1868 – 1935), dem jüdischen und schwulen Arzt und Sexualwissenschaftler, der als einer der maßgeblichen Pioniere der Homosexuellenbewegung des 20. Jahrhunderts gilt und sich mit LSBTTIQ-Themen beschäftigte, lange bevor diese Begrifflichkeiten im öffentlichen Bewusstsein waren, haben wir uns entschieden den Titel eben jener Publikation als Motto zu wählen.

Wir würden uns heute vielleicht etwas griffiger ausdrücken und einfach feststellen: „Lieb doch wen du willst!“ oder besser noch „Lieb doch wie du willst!“.

Dr. Magnus Hirschfeld, 1929. (Quelle: wikimedia – Wellcome Images)

Natürlich gibt es jedes Jahr irgendein Jubiläum, was man begehen kann – so beispielsweise im kommenden Jahr der 50. Jahrestag der Stonewall Riots, den Straßenkämpfen in der New Yorker Christopher Street, nach denen der CSD benannt ist. Aber warum diese Jubiläen nicht auch gebührend feiern? Trier feiert Marx, der Westerwald feiert Raiffeisen, wir feiern Hirschfeld.

Denn dadurch, dass sich Dr. Hirschfeld mit sämtlichen Aspekten menschlicher Sexualität und auch mit der zeitgenössischen rechtlichen Diskriminierung von Homosexualität beschäftigt hat, bietet er zahlreiche Anknüpfungspunkte, die es erlauben, aktuelle LSBTTIQ-Themen in eine direkte Traditionslinie zu seiner Person zu stellen.

Auch heute noch werden die vielfältigen Lebens- und Liebesweisen nicht überall als „natürlich“ angesehen, es gibt weiterhin Diskriminierung, Ausgrenzung und Gewalt gegen „Andersartige“. Daher finden wir es umso wichtiger auch einen Blick zurück zu werfen: Auf die Höhen und Tiefen des langen Wegs hin zu der Freiheit, in der wir heute weitestgehend leben können. Aber auch um vielleicht Impulse zu bekommen für die Themen, die noch vor uns liegen, die Fragen die noch nicht gestellt sind und all das, was noch bewegt werden muss.

Deswegen wollen wir das Leben und die Liebe feiern und der Welt zeigen, dass das „Wesen der Liebe“ vielfältiger und reichhaltiger ist, als viele es vermuten.

 

P.S.: Bei der mottogebenden Publikation handelt es sich um: Hirschfeld, Magnus (1906). Vom Wesen der Liebe: zugleich ein Beitrag zur Lösung der Frage der Bisexualität. Leipzig: Spohr.

Wer einmal einen Blick hineinwerfen möchte, findet hier das Digitalisat der UB Leipzig.

Gedenktafel für Magnus Hirschfeld im Berliner Tiergarten. (Quelle: wikimedia – Doris Antony)

Büste von Magnus Hirschfeld, Schwules Museum, Berlin. (Quelle: wikimedia – BASWIM)